Guten Morgen!

Diese Woche erscheint das KI-Briefing erstmals in unserem neuen Corporate Design – ein sichtbares Zeichen der Weiterentwicklung, von der Sie in den kommenden Wochen noch mehr erleben werden. Unser Anspruch bleibt: Ihnen als Führungskraft Orientierung, Relevanz und Inspiration für die Gestaltung des Wandels zu bieten.

Parallel entwickeln wir neue Formate wie „Monitoring Europe“, das gezielt auf die Bedürfnisse europäischer Entscheiderinnen und Entscheider ausgerichtet ist. Ziel ist es, differenzierte Perspektiven auf technologische Entwicklungen zu eröffnen und Sie darin zu stärken, die Transformation in Ihrem Unternehmen und Umfeld aktiv und wirkungsvoll zu gestalten.

Besonders stolz sind wir, mit ElevenLabs, einem der weltweit erfolgreichsten Startups im Bereich Conversational AI, einen starken Partner an Bord zu haben. In den kommenden Ausgaben stellen wir Ihnen praxisnahe Use Cases vor, die verdeutlichen, welchen Mehrwert die Technologie im Führungsalltag entfalten kann.

Damit das KI-Briefing für Sie maximal nützlich bleibt, freuen wir uns über Ihr Feedback. Teilen Sie uns gerne mit, welche Impulse für Sie am wertvollsten sind – und helfen Sie dabei, unser Briefing in Ihrem Netzwerk bekannt zu machen. Gemeinsam können wir eine Community aufbauen, die voneinander lernt und sich gegenseitig stärkt. Falls Sie diesen Newsletter weitergeleitet bekommen haben, können Sie sich ganz einfach hier anmelden.

Was Sie in diesem Briefing erwartet

  • News: Cybersecurity profitiert massiv vom KI-Angriffsschub, Amazon und Nvidia treiben US-Wachstum durch Rechenzentren, Databricks steigt auf über 100 Milliarden US-Dollar Bewertung, DeepSeek setzt OpenAI mit Open Source Modellen unter Druck, Sam Altman kündigt GPT-6 mit persönlichem Gedächtnis an, Meta stoppt KI-Einstellungen nach Milliarden-Offensive & Tech-Giganten zwischen Hype und Absturz

  • Deep Dive: Mit Context Engineering wird künstliche Intelligenz vom Gedächtnisproblem zum präzisen Entscheidungssystem

  • In aller Kürze: Anthropic plant Milliardenrunde zur Expansion, Google erweitert AI Mode mit agentischen Funktionen, ByteDance veröffentlicht leistungsstarkes Open Source Modell, Altman und Schmidt warnen vor AI Euphorie & Grok verursacht Datenschutzpanne durch geteilte Chatverläufe

  • Videos & Artikel: Bloomberg warnt vor Chancen und Risiken der vierten industriellen Revolution, AI Agenten verändern Arbeitsorganisation durch Spezialisierung, Chan Zuckerberg Initiative stellt biomedizinisches Reasoning Modell rBio vor, Traversal entwickelt KI gestützten Site Reliability Engineer, Google bringt Gemini for Home als Nachfolger von Google Assistant

  • Impuls: Warnsignale aus dem KI-Hype

  • Umfrage: In welchem Maß ist es ethisch vertretbar, mit Hilfe von KI bestehende kreative Arbeit Dritter zu verarbeiten?

  • Meinung: Warum KI immer noch in Schleifen hängt während der Mensch längst weitergegangen ist 🧠

  • Praxisbeispiel: Wie wir uns selbst gegen Desinformation wappnen können

  • YouTube: Warum wir als Spezies so klug sind und doch vor dem Abgrund stehen

Cybersecurity

AI Hacker steigern Gefahr für Unternehmen und Staaten

Quelle: Shutterstock

Zusammenfassung: KI-gestützte Cyberangriffe nehmen massiv zu und verändern die Dynamik im digitalen Raum. Mit generativen Modellen können Kriminelle heute Malware entwickeln, Phishingkampagnen automatisieren und Deepfakes einsetzen – deutlich schneller und günstiger als zuvor. Bereits ein Sechstel aller Datenlecks im vergangenen Jahr war mit KI involviert, zwei Fünftel aller Business-Email-Compromise-Angriffe nutzten generative Methoden. Gleichzeitig boomt die Cybersecurity-Branche: Analysten erwarten, dass die weltweiten Ausgaben für IT-Sicherheit bis 2026 auf 240 Milliarden Dollar steigen. Große Anbieter wie Palo Alto Networks, Microsoft und Google sichern sich mit Milliardenübernahmen zusätzliche Marktanteile.

  • Neue Angriffsmethoden: KI ermöglicht es Hackern, Malware zu entwickeln, die sich dynamisch anpasst. Beispiele sind Schadprogramme, die im Netzwerk auf Hindernisse stoßen und über Sprachmodelle in der Cloud eigenständig neuen Code generieren, um Sicherheitsbarrieren zu überwinden.

  • Ausweitung von Phishing und Deepfakes: Kriminelle nutzen LLMs für personalisierte Angriffe, indem sie riesige Datenmengen auswerten und täuschend echte Mails, Stimmen oder Videos erstellen. Damit steigt die Erfolgsquote von Social-Engineering-Attacken erheblich.

  • Wachstum der Sicherheitsindustrie: Unternehmen investieren massiv in Cybersecurity. Marktführer wie Palo Alto Networks und SentinelOne treiben durch milliardenschwere Akquisitionen die Konsolidierung voran. Auch Cloud-Giganten wie Microsoft und Google erweitern ihr Portfolio mit eigenen Sicherheitsplattformen.

Warum das wichtig ist: Mit der Verbreitung KI-gestützter Angriffe verschiebt sich Cybersecurity von einer rein technischen Frage zu einem strategischen Wettbewerbsfaktor. Die USA bauen ihre Vormachtstellung durch Übernahmen von Marktführern wie Palo Alto Networks oder Microsoft weiter aus, während China staatlich koordinierte Schutzsysteme etabliert. Europa hingegen läuft Gefahr, sich zwischen diesen Polen einzuklemmen und in eine strukturelle Abhängigkeit zu geraten. Für Unternehmen bedeutet das: Digitale Resilienz wird nicht nur zur Bedingung für Geschäftskontinuität, sondern auch zum Hebel geopolitischer Souveränität. Wer Sicherheitsarchitekturen auf außereuropäischen Plattformen aufsetzt, macht sich langfristig verwundbar – ökonomisch wie politisch. Gefordert sind daher Investitionen in eigene Sicherheitslösungen, ein koordiniertes europäisches Vorgehen bei Regulierung und Standards sowie eine strategische Industriepolitik, die Cybersecurity als Grundpfeiler der Wettbewerbsfähigkeit im KI-Zeitalter begreift.

Präsentiert von ElevenLabs

ElevenLabs startet Chat Mode für Textagenten

Zusammenfassung: ElevenLabs hat mit dem neuen Chat Mode seine Conversational-AI-Plattform um eine hybride Interaktionsform erweitert. KI-Agenten können damit situationsabhängig per Sprache oder Text genutzt werden. Der Modus ermöglicht präzise Eingaben bei komplexen Codes, IDs, sensiblen Daten oder E-Mail-Adressen und erlaubt gleichzeitig die nahtlose Übergabe an Voice-Agenten. Damit adressiert ElevenLabs Szenarien, in denen Tippen schneller und fehlerfreier ist, ohne auf den Mehrwert von Sprachinteraktion zu verzichten. Die Lösung integriert sich in bestehende Unternehmensdaten, skaliert im Betrieb und ergänzt Workflows, Analysefunktionen und Qualitätskontrollen.

  • Schnelle Integration: Die Bereitstellung gelingt in wenigen Minuten über SDK, API oder eine einzelne HTML-Zeile. Bestehende Voice-Agenten lassen sich unmittelbar in den Textmodus umschalten, wodurch Unternehmen ohne zusätzliche Entwicklungsarbeit von den neuen Funktionen profitieren.

  • Multimodaler Ansatz: Die Plattform analysiert Gerätetyp, Umgebungsbedingungen und Nutzungsverhalten, um automatisch zwischen Text- und Sprachsteuerung zu wechseln. Dadurch entfällt die manuelle Auswahl des Kommunikationskanals, und Interaktionen verlaufen flüssiger und kontextgerechter.

  • Produktivität und Steuerung: Der Chat Mode erleichtert präzise Eingaben, reduziert Fehlstarts durch Spracherkennung und vereinfacht Audits. Werkzeuge, Wissensgrundlagen, WebSocket-Events und Analysefunktionen unterstützen die Messung von Servicequalität und beschleunigen das Tuning von Agenten, wodurch Betrieb und Governance effizienter werden.

Warum das wichtig ist: Mit dem Chat Mode positioniert sich ElevenLabs strategisch als Infrastruktur-Anbieter für Omnichannel-Kundeninteraktion – jenseits des Voice-First-Ansatzes. Für Unternehmen bedeutet das nicht nur höhere Flexibilität und schnellere Einführung, sondern auch eine robuste Antwort auf reale Nutzungsszenarien: von Compliance-Anforderungen bei sensiblen Daten über Produktivität in lauten Service-Umgebungen bis hin zur Reduktion von Fehlstarts in hochvolumigen Callcentern. Entscheider gewinnen dadurch die Möglichkeit, KI-Agenten effizienter in bestehende Prozesse zu integrieren, Governance zu stärken und Time-to-Value massiv zu verkürzen. Damit tritt ElevenLabs in direkte Konkurrenz zu Anbietern wie Microsoft, OpenAI oder Google, die ähnliche Multimodal-Stacks aufbauen – ein Hinweis darauf, dass der Wettbewerb um den Standard für Unternehmens-KI-Interfaces jetzt Fahrt aufnimmt.

Wirtschaftswachstum

Amazon und Nvidia treiben US-Wachstum durch Rechenzentren

Quelle: Shutterstock

Zusammenfassung: Trotz hoher Zinsen und wirtschaftlicher Unsicherheiten dominiert die KI-Infrastruktur derzeit das Wirtschaftswachstum in den USA. Investitionen in Rechenzentren, Chips und Stromnetze treiben bis zu 40 % des BIP-Anstiegs, während zins- und energieabhängige Sektoren wie Wohnungsbau und Konsum stagnieren. Big Tech investiert in datenintensive Infrastruktur auf Gigawatt-Niveau – mit spürbaren Folgen für Strompreise, Finanzierungsbedingungen und andere Branchen. Der neue digitale Wachstumssektor verdrängt traditionelle Wirtschaftsaktivitäten zunehmend und verschiebt Kapitalströme sowie politische Aufmerksamkeit in Richtung KI-getriebener Industrien.

  • Dynamik der Investitionen in KI-Infrastruktur: Rechenzentren, Halbleiter und Software gelten aktuell als Haupttreiber des US-BIP-Wachstums, obwohl ihr Anteil am Gesamt-BIP gering bleibt. Ein Sechstel des gesamten Wirtschaftswachstums resultiert direkt aus IT-Investitionen, besonders in energieintensive Rechenzentren, deren Bau durch Big-Tech-Finanzierungen und massive Kreditaufnahmen beschleunigt wird.

  • Verdrängung traditioneller Sektoren durch Big Tech: Zins- und stromkostenempfindliche Branchen wie Wohnungsbau oder klassischer Konsum geraten durch den KI-Boom unter Druck. Während Tech-Investitionen weiter zunehmen, sinkt die Investitionsbereitschaft außerhalb der KI. Der Stromverbrauch durch Rechenzentren lässt die Strompreise steigen – 2025 bereits um durchschnittlich 7 % – und engt die Handlungsspielräume traditioneller Unternehmen ein.

  • Risiken bei rückläufigem KI-Investment: Sollte sich das Tempo der KI-Investitionen verringern – etwa durch Energieengpässe oder Chipmangel – droht ein strukturelles Wachstumsproblem. Der Rückgang eines einzelnen Sektors würde dann auf eine ohnehin geschwächte Gesamtwirtschaft treffen, was die Gefahr eines abrupten Wachstumsstopps verstärkt. Die Parallelen zum Dotcom-Crash sind unübersehbar.

Warum das wichtig ist: Die aktuelle Dominanz von KI-Infrastruktur als Wachstumstreiber markiert einen tiefgreifenden Strukturwandel in der Wirtschaft – mit weitreichenden Folgen für Politik, Unternehmen und Gesellschaft. Investitionen in Rechenzentren, Chips und Stromnetze konzentrieren Kapital, Talente und politische Aufmerksamkeit auf wenige digitale Schlüsselindustrien. Gleichzeitig geraten klassische Sektoren durch steigende Strompreise, höhere Finanzierungskosten und sinkende Investitionsbereitschaft unter Druck. Diese Polarisierung verschärft ökonomische Ungleichgewichte und birgt das Risiko einer einseitigen Wachstumsabhängigkeit – vergleichbar mit der Dotcom-Blase. Für politische und wirtschaftliche Entscheider ist jetzt der Moment, um durch gezielte Industrie-, Energie- und Standortpolitik gegenzusteuern und Resilienz gegenüber sektoralen Schocks aufzubauen. Wer diese Dynamik ignoriert, läuft Gefahr, kurzfristige Wachstumsimpulse mit langfristiger Instabilität zu bezahlen.

KI-Infrastruktur

Databricks steigt auf über 100 Milliarden US-Dollar Bewertung

Quelle: Databricks

Zusammenfassung: Databricks steht kurz vor dem Abschluss einer neuen Finanzierungsrunde, die das Unternehmen mit über 100 Milliarden US-Dollar bewerten würde – ein Anstieg von 61 Prozent gegenüber der letzten Runde vor weniger als einem Jahr. Damit zählt das Unternehmen zu den weltweit wertvollsten privaten KI-Firmen. Die frischen Mittel sollen unter anderem in den Ausbau der hauseigenen KI-Plattform Agent Bricks, das neue Lakebase-Datenbanksystem sowie strategische Übernahmen fließen. Databricks betreut rund 15.000 Unternehmenskunden und erwirtschaftet 3,7 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz. Die Cashflow-Positivität seit Januar und das starke Investoreninteresse verdeutlichen das Vertrauen in die langfristige Marktposition des Unternehmens.

  • Neue Finanzierungsrunde und Bewertung: Databricks bereitet eine Series-K-Runde vor, in der über eine Milliarde US-Dollar von bestehenden Investoren wie Thrive Capital, Andreessen Horowitz und Insight Partners eingesammelt werden sollen. Diese Runde hebt die Unternehmensbewertung auf über 100 Milliarden US-Dollar – ein Rekordniveau für ein privat geführtes Softwareunternehmen.

  • Strategische Produktentwicklungen im KI-Bereich: Das Unternehmen will die Mittel nutzen, um Agent Bricks auszubauen – eine Plattform, mit der Unternehmen eigene KI-Agenten auf internen Daten erstellen können. Ergänzt wird dies durch Lakebase, eine OLTP-Datenbank auf Postgres-Basis, optimiert für KI-Workloads und vollständig in die Lakehouse-Plattform integriert.

  • Zukäufe zur Stärkung der KI-Position: Mit der Übernahme des Startups Tecton sichert sich Databricks eine Technologie zur Echtzeit-Bereitstellung von Machine-Learning-Features. Diese ist entscheidend für die Leistungsfähigkeit von KI-Agenten und soll in die eigene Plattform integriert werden, um den wachsenden Anforderungen der Unternehmenskunden gerecht zu werden.

Warum das wichtig ist: Databricks positioniert sich zunehmend als systemkritische Infrastruktur für datengetriebene Wertschöpfung in einer KI-dominierten Wirtschaft. Die Kombination aus technologischem Fokus auf unternehmenseigene Daten, KI-optimierter Architektur und positiver Kapitalstruktur verschafft dem Unternehmen eine seltene strategische Tiefe. Die Bewertung reflektiert nicht allein Wachstumsfantasie, sondern vor allem die Erwartung dass sich Databricks als Kontrollpunkt in der entstehenden KI-Wertschöpfungskette etabliert. Für Entscheider bedeutet das eine strategische Abhängigkeit von Plattformen, die nicht nur Rechenleistung bereitstellen, sondern zunehmend Datenfluss Modelllogik und operative Integration bündeln. Wer im eigenen Unternehmen keine Infrastruktur für sichere skalierbare und anpassbare KI-Nutzung aufbaut, wird mittelbar von Akteuren wie Databricks abhängig sein, deren Plattformarchitektur bereits heute zur Grundlage unternehmerischer Wettbewerbsfähigkeit wird.

Open Source

DeepSeek setzt OpenAI mit Open Source Modellen unter Druck

Quelle: Shutterstock

Zusammenfassung: Chinesische KI-Startups wie DeepSeek gewinnen mit leistungsfähigen Open-Weight-Modellen rasant an globalem Einfluss. Während US-Firmen wie OpenAI Milliarden in proprietäre Systeme investieren, setzen chinesische Labs auf freie Zugänglichkeit und breitere Anwendungsbasis. DeepSeek veröffentlichte zuletzt das Modell V3.1 mit über 670 Milliarden Parametern und effizienter Mixture-of-Experts-Architektur – leistungsstark und optimiert für chinesische Hardware. OpenAI reagierte prompt mit der Freigabe seiner ersten offenen Modelle seit 2019, um nicht die globale Entwicklerbasis zu verlieren. Doch die Reaktion wirkt halbherzig. Chinesische Anbieter scheinen den Open-Weight-Markt strategischer und aggressiver zu besetzen.

  • Technologische Entwicklung: Chinesische Modelle wie DeepSeek-V3.1 oder Baidus Ernie setzen neue Maßstäbe für Open-Weight-Systeme: Sie bieten konkurrenzfähige Leistung, hohe Anpassbarkeit und eine Infrastruktur, die zunehmend unabhängig von westlicher Hardware agiert.

  • Reaktion amerikanischer Anbieter: OpenAI veröffentlichte mit gpt-oss erstmals wieder offene Gewichte, doch das Modell ist vergleichsweise klein. Die gleichzeitige Veröffentlichung des proprietären GPT-5 schwächte die Glaubwürdigkeit des Open-Ansatzes.

  • Veränderung der Marktlogik: Open-Weight-Modelle ermöglichen Unternehmen und Regierungen maßgeschneiderte KI-Lösungen – lokal, flexibel und ohne Cloud-Abhängigkeit. Einnahmen entstehen durch Support und Anpassung statt Lizenzverkäufe, was langfristig neue Geschäftsmodelle etablieren könnte.

Warum das wichtig ist: Der globale Wettbewerb um KI-Vormacht verschiebt sich von geschlossenen Elitesystemen hin zu offenen und anpassungsfähigen Infrastrukturen. Chinesische Anbieter wie DeepSeek instrumentalisieren Open-Weight-Modelle nicht als Geste der Transparenz, sondern als strategisches Werkzeug zur geopolitischen und ökonomischen Einflussnahme. Unternehmen und Regierungen erhalten damit Zugang zu leistungsfähiger Technologie ohne Abhängigkeit von US-amerikanischen Cloud-Infrastrukturen oder Lizenzmodellen. Für westliche Anbieter steht mehr auf dem Spiel als Marktanteile, es geht um den Erhalt von technologischer Deutungshoheit. Wer weiterhin auf proprietäre Modelle ohne strategisch überzeugendes Open-Weight-Angebot setzt, riskiert den Anschluss an Entwicklerökosystem und Innovationsdynamiken insbesondere in Märkten mit regulatorischem Druck zur technologischen Souveränität. Die neue Phase der KI-Konkurrenz wird nicht durch die Größe der Modelle entschieden, sondern durch die Kontrolle über deren Zugänglichkeit und Anpassbarkeit.

Technologie

Sam Altman kündigt GPT-6 mit persönlichem Gedächtnis an

Quelle: Shutterstock

Zusammenfassung: OpenAI-CEO Sam Altman hat erstmals Details zu GPT-6 genannt. Das kommende Modell soll schneller erscheinen als der Sprung von GPT-4 zu GPT-5 und vor allem durch ein dauerhaftes Gedächtnis überzeugen. Damit will OpenAI ChatGPT von einem reinen Dialogsystem zu einem personalisierten Begleiter weiterentwickeln, der sich an Vorlieben, Routinen und Kommunikationsstile der Nutzer erinnert. Zusätzlich sollen Nutzer die Persönlichkeit des Modells frei anpassen können – von konservativ bis progressiv. Gleichzeitig betonte Altman, dass Datenschutz und Verschlüsselung zentrale Herausforderungen bleiben, da sensible Informationen bislang nicht ausreichend geschützt sind.

  • Neue Personalisierungsmöglichkeiten: GPT-6 soll es ermöglichen, dass Nutzer ihren Chatbot nicht nur in Ton und Persönlichkeit gestalten, sondern auch langfristige Präferenzen speichern können, sodass Interaktionen deutlich konsistenter und individueller werden.

  • Psychologische und regulatorische Aspekte: OpenAI arbeitet mit Psychologen zusammen, um das Nutzererlebnis zu optimieren und das Wohlbefinden zu messen. Parallel soll das Modell US-Regulierungen folgen, die eine ideologische Neutralität vorschreiben, während Anpassungen für unterschiedliche Weltanschauungen weiterhin möglich bleiben.

  • Technologische Erweiterung mit Risiken: Während das Gedächtnis als entscheidender Schritt gilt, bleibt die Frage der Sicherheit offen. Altman räumte ein, dass temporäre Speicherungen nicht verschlüsselt sind und insbesondere bei rechtlichen oder medizinischen Anwendungen umfassendere Schutzmechanismen erforderlich sind.

Warum das wichtig ist: Die Einführung eines dauerhaften Gedächtnisses in GPT-6 verschiebt die Rolle generativer KI von situativer Assistenz hin zu kontinuierlicher Beziehungspflege. Damit entsteht ein neues Interaktionsmodell, das nicht mehr auf isolierten Anfragen beruht, sondern auf lernender Vertrautheit über Zeit. Unternehmen erhalten dadurch die Möglichkeit ihre digitalen Schnittstellen radikal zu personalisieren - mit potenziell tiefgreifenden Effekten auf Kundenbindung und Lifetime Value. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Governance und Compliance, da individualisierte Modelle neue Angriffsflächen für Missbrauch und Datenschutzverstöße schaffen. Entscheidend wird sein, wer diese Systeme nicht nur technisch einführt, sondern institutionell verantworten kann. Die Differenzierung im KI-Markt wird sich künftig weniger an Modellfähigkeiten orientieren, sondern an Vertrauen Robustheit und regulatorischer Anschlussfähigkeit.

KI-Strategien

Meta stoppt KI-Einstellungen nach Milliarden-Offensive

Quelle: Shutterstock

Zusammenfassung: Meta hat einen Einstellungsstopp in seiner KI-Abteilung verhängt, nachdem das Unternehmen über Monate hinweg mehr als 50 Top-Talente mit Gehältern in neunstelliger Höhe angeworben hatte. Die Maßnahme betrifft sowohl externe Neueinstellungen als auch interne Teamwechsel und ist Teil einer umfassenden Reorganisation. Die KI-Aktivitäten werden künftig in vier Einheiten gegliedert: Superintelligenz, Produkte, Infrastruktur und Grundlagenforschung. Analysten sehen die Ausgabenpolitik zunehmend kritisch, da die aktienbasierte Vergütung die Kapitalrückführung an Aktionäre gefährden könnte. Meta spricht von organisatorischer Konsolidierung, nicht von einem Strategiewechsel.

  • Neuaufstellung der KI-Struktur: Meta gliedert seine KI-Organisation in vier Teams, darunter ein „TBD Lab“ für Superintelligenz, das viele der hochbezahlten Neuzugänge aufgenommen hat. Das frühere AGI Foundations Team, das für die Llama-Modelle verantwortlich war, wurde aufgelöst.

  • Interner Druck und externe Warnungen: Analysten und Investoren äußern Bedenken über Metas wachsende aktienbasierte Vergütungen, die durch aggressive Talentrekrutierung angetrieben werden. Dies könnte die Fähigkeit zur Kapitalrückführung massiv beeinträchtigen.

  • Zuckerbergs KI-Wette eskaliert: Der Meta-CEO war persönlich in die Anwerbung von Forschern verwickelt, bot Summen bis zu 1,5 Milliarden US-Dollar und sicherte sich durch Firmenbeteiligungen prominente Köpfe wie Alexandr Wang und Daniel Gross.

Warum das wichtig ist: Der Einstellungsstopp bei Meta zeigt eine klare Verschiebung von aggressiver Expansion hin zu disziplinierter Ressourcensteuerung. Die massiven Vergütungspakete stehen zunehmend im Widerspruch zu den Erwartungen der Kapitalmärkte nach Effizienz und Ergebnisorientierung. Für Investoren zählt nicht länger die Geschwindigkeit des Aufbaus, sondern die Qualität der operativen Umsetzung. Die strukturelle Neuordnung deutet auf eine neue Phase der KI-Strategie hin, in der Größe und Tempo durch Fokus und Messbarkeit ersetzt werden. Unternehmen die weiterhin auf reinen Talentaufbau setzen ohne klare Monetarisierungslogik laufen Gefahr Vertrauen zu verlieren. Wer technologische Exzellenz in wirtschaftliche Wirkung übersetzt wird sich in einem zunehmend selektiven Marktumfeld durchsetzen.

KI-Hype

Tech-Giganten zwischen Hype und Absturz

Quelle: Shutterstock

Zusammenfassung: Im Zuge der jüngsten Kursverluste bei US-Tech-Aktien wächst die Sorge vor dem Platzen einer potenziellen KI-Blase. Eine aktuelle MIT-Studie zeigt, dass 95 % der generativen KI-Projekte in Unternehmen bislang keine finanziellen Erfolge bringen. Auch Sam Altman warnt vor überzogenen Erwartungen, während Analysten Parallelen zur Dotcom-Blase ziehen. Trotz dieser Risiken bleiben große Tech-Konzerne wie Google, Meta und Microsoft robust – sie setzen KI umfassend in Arbeitsprozessen ein und dürften durch Marktkorrekturen profitieren

  • Studie zum ROI-Versagen: Nur 5 % der generativen KI-Pilotprojekte zeigen bisher messbare Gewinne. Der Großteil bleibt ohne echten wirtschaftlichen Mehrwert – ein klares Warnsignal für Investoren und Unternehmen.

  • Warnungen vor Überbewertung: OpenAI-CEO Altman sprach jüngst von übertriebenem Investorenglauben – eine Mahnung an den Markt, mit Parallelen zur gefährlichen Euphorie der Dotcom-Ära.

  • Stärke der Big Tech trotz Turbulenzen: Während spekulative KI-Wetten wanken, bleiben etablierte Tech-Firmen langfristig tragfähig – sie integrieren KI tief in ihre Geschäftsprozesse und sind in der Lage, Krisen zu überstehen und Chancen zu nutzen.

Warum das wichtig ist: Die wachsende Lücke zwischen öffentlichem Hype und wirtschaftlicher Realität verändert den strategischen Umgang mit generativer KI. Investoren und Entscheidungsträger müssen narrative Erwartungen durch belastbare Leistungskennzahlen ersetzen. Unternehmen mit Fokus auf experimentelle Pilotprojekte verlieren an strategischer Glaubwürdigkeit während produktiv eingesetzte KI zunehmend zum Unterscheidungsmerkmal im Wettbewerb wird. Die aktuelle Marktlage schafft Raum für eine Neuverteilung von Kapital in skalierbare Anwendungen mit nachweisbarem Mehrwert. Wer jetzt technische Integration mit ökonomischer Klarheit verbindet stärkt seine Position in einem Markt der sich vom Erzählen zum Liefern bewegt.

Context Engineering

Mit Context Engineering wird künstliche Intelligenz vom Gedächtnisproblem zum präzisen Entscheidungssystem

Quelle: Shutterstock

Stellen Sie sich vor, ein mittelmäßiges Sprachmodell liefert bessere Antworten als ein Spitzenmodell – nur weil es die richtigen Informationen im richtigen Moment erhält. Genau hier setzt Context Engineering an. Es ist die Kunst, den begrenzten „Aufmerksamkeitsraum“ von KI-Modellen so zu gestalten, dass sie stets auf das Wesentliche fokussiert bleiben. Wer diesen Hebel beherrscht, kann Systeme erschaffen, die nicht nur leistungsfähiger, sondern auch verlässlicher und steuerbarer werden. Doch was macht diese neue Disziplin so bedeutend und wie verändert sie den Umgang mit künstlicher Intelligenz?

Kontext ist das Gedächtnis jedes KI-Modells, und dieses Gedächtnis ist naturgemäß begrenzt. Je nach Architektur umfasst es nur einige Tausend oder – bei den neuesten Modellen – bis zu hunderttausend Tokens. Wenn dieser Raum voll ist, verdrängen neue Informationen die alten, oft mit gravierenden Folgen: Relevante Fakten gehen verloren, die Genauigkeit sinkt und Antworten driften ab. Forschende und Entwickler sprechen hier von Phänomenen wie „Context Rot“ oder „Kontext-Vergiftung“. Context Engineering will genau das verhindern, indem es Informationen selektiv auswählt, komprimiert, isoliert oder auslagert. Damit wird nicht mehr das Modell selbst, sondern die Gestaltung seines Arbeitsgedächtnisses zum entscheidenden Erfolgsfaktor.

Warum die Steuerung des Kontexts über den Erfolg von KI entscheidet

Wer mit KI arbeitet, kennt die Tücken langer Interaktionen. Jede zusätzliche Anweisung, jeder Zwischenschritt oder externe Rechercheoutput füllt das Kontextfenster weiter. Irgendwann überwiegt Ballast das Wesentliche. Genau hier trennt sich gutes von schlechtem Systemdesign: Ein unkuratiertes Modell halluziniert, verwechselt oder verliert den Faden. Ein durchdachtes Kontext-Management hingegen hält den Fokus, filtert Unnötiges und bringt die passenden Fakten ins Spiel. Studien zeigen, dass allein die Integration relevanter Zusatzinformationen die Faktengenauigkeit um über 30 Prozent steigern kann. Damit wird klar: Wer Kontext aktiv steuert, macht künstliche Intelligenz robuster, nachvollziehbarer und effizienter.

Wie Praxisbeispiele die Wirksamkeit von Context Engineering sichtbar machen

Ein Blick in aktuelle Anwendungen zeigt die Kraft des Ansatzes. Entwickler berichten, dass Software-Assistenten Bugs zuverlässiger beheben, wenn sie nicht mit dem gesamten Code-Archiv, sondern nur mit den relevanten Abschnitten und Testlogs arbeiten. Support-Chatbots wiederum bleiben sachlich und konsistent, wenn sie Kundendaten aus einem Langzeitgedächtnis einbeziehen, aber irrelevante Dokumente außen vor lassen. Besonders eindrücklich sind Multi-Agenten-Systeme: Anstatt eine einzelne KI mit allem zu überfordern, teilen spezialisierte Agenten Recherche, Analyse und Textproduktion unter sich auf – und liefern gemeinsam präzisere Ergebnisse. Diese Praxisbeispiele machen deutlich: Context Engineering ist weit mehr als eine technische Spielerei, es ist ein Hebel für Qualität und Kontrolle.

Der entscheidende Wendepunkt für die Entwicklung intelligenter Systeme

Das eigentlich Überraschende ist, dass der Kontext oft wichtiger ist als das Modell selbst. Ein schwächeres Modell mit gutem Kontext schlägt ein Spitzenmodell ohne Struktur – eine Erkenntnis, die viele Führungskräfte und Entwickler zum Umdenken zwingt. Damit verschiebt sich die Machtachse: Nicht mehr das Training riesiger Modelle bestimmt den Erfolg, sondern die Fähigkeit, deren begrenzten Raum optimal zu orchestrieren. Wer hier investiert, gewinnt nicht nur bessere Antworten, sondern auch die Möglichkeit, Systeme vertrauenswürdiger und ressourcenschonender einzusetzen.

Warum Context Engineering zum Muss für die nächste KI-Generation wird

Die Lehre aus diesen Entwicklungen ist eindeutig: KI darf nicht dem Zufall überlassen werden. Erfolgreiche Systeme entstehen nicht durch blindes Füttern mit Daten, sondern durch die präzise Inszenierung des Kontexts. Führungskräfte sollten diesen Paradigmenwechsel verstehen und gezielt Expertise aufbauen. Denn die Zukunft gehört jenen, die die „Kontextkunst“ beherrschen: Sie verwandeln KI von einem unberechenbaren Wundertüten-Experiment in ein kontrollierbares Werkzeug, das zuverlässig Ergebnisse liefert. Context Engineering ist damit kein Nebenaspekt, sondern der Schlüssel zur nächsten Stufe intelligenter Systeme – und zu einer Ära, in der künstliche Intelligenz nicht mehr errät, sondern versteht und handelt.

Quelle: Anthropic

  1. Anthropic: Das KI-Startup verhandelt laut Bloomberg über eine neue Finanzierungsrunde von bis zu 10 Milliarden US-Dollar – deutlich mehr als die zuvor gemeldeten 5 Milliarden, getrieben durch starkes Investoreninteresse. Bereits im März hatte Anthropic 3,5 Milliarden US-Dollar eingesammelt und wurde dabei mit 61,5 Milliarden bewertet. Mit den neuen Mitteln sollen Rechenkapazitäten ausgebaut, Forschung in Interpretierbarkeit und Alignment vertieft und internationale Expansion beschleunigt werden. Anthropic’s KI-Modell Claude hält derzeit mit 32 % den größten Marktanteil im Unternehmensumfeld.

  2. Google: Das Unternehmen erweitert „AI Mode in Search“ weltweit und ergänzt es um neue agentische Funktionen. Nutzer können nun komplexe Aufgaben wie Restaurantreservierungen direkt über die Suche erledigen, unterstützt durch Partner wie OpenTable, Resy und Ticketmaster. Zudem bietet AI Mode personalisierte Empfehlungen basierend auf Interessen und früheren Suchanfragen. Auch das Teilen von Ergebnissen mit Freunden ist möglich. Zunächst steht das erweiterte Angebot Google AI Ultra-Abonnenten in den USA zur Verfügung, bevor es auf über 180 Länder ausgerollt wird.

  3. ByteDance: Das chinesische Tech-Unternehmen ByteDance hat mit Seed-OSS-36B ein leistungsstarkes Open-Source-Sprachmodell veröffentlicht. Es umfasst 36 Milliarden Parameter, erlaubt eine Kontextlänge von bis zu 512.000 Tokens und zielt auf fortgeschrittene Reasoning-Anwendungen. Drei Varianten – mit und ohne synthetische Daten sowie eine Instruct-Version – decken praxisnahe wie forschungsorientierte Einsatzbereiche ab. Die Modelle erzielen Bestwerte in Mathematik, Programmierung und Langkontextverarbeitung und stehen unter Apache-2.0-Lizenz zur freien Nutzung bereit – ein gezielter Vorstoß gegen US-amerikanische Konkurrenzmodelle.

  4. Sam Altman & Eric Schmidt: Zwei einflussreiche Stimmen der KI-Branche bremsen den Diskurs. Sam Altman warnte Investoren vor einer möglichen „AI-Blase“ und verglich die Euphorie mit früheren Tech-Hypes. Parallel forderten Ex-Google-CEO Eric Schmidt und Analystin Selina Xu in der New York Times, Silicon Valley solle den Fokus von Superintelligenz und AGI abwenden und bestehende Modelle stärker nutzen. Sie sehen die Gefahr, dass überhöhte Erwartungen die Öffentlichkeit entfremden und Chancen im Wettbewerb mit China ungenutzt bleiben. Beide Signale deuten auf ein Umdenken in der Branche hin.

  5. Grok: Über 370.000 Chatverläufe mit Elon Musks KI-Chatbot Grok wurden öffentlich über Google auffindbar – offenbar ohne Wissen der Nutzer. Der Auslöser: Eine Teilen-Funktion generierte durchsuchbare Links, selbst bei sensiblen Inhalten wie Passwörtern oder medizinischen Fragen. Experten sprechen von einem „laufenden Datenschutzdesaster“. Ähnliche Vorfälle gab es zuvor bei ChatGPT und Meta AI. X, die Betreiberplattform von Grok, äußerte sich bislang nicht. Die Panne verdeutlicht zunehmende Risiken im Umgang mit geteilten KI-Inhalten.

  1. Bloomberg: In einer Analyse zur vierten industriellen Revolution wird Künstliche Intelligenz als zentraler Treiber tiefgreifender Veränderungen hervorgehoben. KI, Robotik, Big Data und Biotechnologie versprechen enorme Produktivitätsgewinne und Fortschritte in Medizin und Mobilität. Gleichzeitig drohen massive Arbeitsplatzverluste, da Algorithmen auch hochqualifizierte Tätigkeiten übernehmen könnten. Experten wie Martin Ford warnen vor wachsender Ungleichheit und gesellschaftlichen Spannungen. Langfristig könnte KI jedoch zu einer Zukunft führen, in der Maschinen gefährliche und monotone Aufgaben übernehmen und Menschen ihre Expertise gezielter einsetzen.

  2. AI-Agenten: Im Zentrum des Gesprächs steht die tiefgreifende Veränderung, die KI-Agenten auf Arbeitsprozesse ausüben. Statt monolithischer Super-Intelligenzen setzt sich ein Modell spezialisierter, autonom agierender Agenten durch, die in klar abgegrenzten Bereichen effizient arbeiten. Durch Rückkopplung, Spezialisierung und Arbeitsteilung entstehen neue Organisationsformen, während menschliche Experten zunehmend die Rolle von Managern und Prüfern übernehmen. Die Architektur entwickelt sich in Richtung dezentraler, paralleler Systeme – und das verändert, wie Arbeit in Unternehmen organisiert und erledigt wird.

  3. Chan Zuckerberg Initiative: Die Stiftung hat mit rBio ein neuartiges „Reasoning Model“ vorgestellt, das auf virtuellen Zell-Simulationen trainiert ist. Anders als klassische LLMs ermöglicht rBio komplexe Rückschlüsse über Geninteraktionen und unterstützt Forscher dabei, Hypothesen schneller zu prüfen, etwa zu Ursachen neurodegenerativer Krankheiten. Grundlage ist das Modell TranscriptFormer, das Genregulationsmuster simuliert. rBio übertrifft dabei gängige Baseline-Modelle und macht biomedizinisches Wissen in einfacher Sprache zugänglich – ein Schritt hin zu KI-Systemen, die wie Wissenschaftler „denken“ können.

  4. Traversal: Das US-Startup Traversal, gegründet Anfang 2024 von Anish und seinem Team, entwickelt einen KI-basierten Site Reliability Engineer zur automatisierten Fehlerdiagnose in komplexen Softwaresystemen. Angesichts der steigenden Codekomplexität durch KI-Tools wie Copilot und Cursor will Traversal Ausfallzeiten drastisch reduzieren. Erste Erfolge bei DigitalOcean zeigen eine 37% schnellere Problemlösung. Mit 48 Mio. USD aus einer Series-A-Finanzierung von Sequoia und Kleiner Perkins will das Unternehmen den Softwarebetrieb revolutionieren und Softwarewartung grundlegend neu denken.

  5. Google: Mit Gemini for Home bringt Google seine fortschrittlichste KI nun in Haushalte und ersetzt schrittweise den bisherigen Google Assistant. Die neue Sprachsteuerung bietet kontextbasierte Antworten, unterstützt komplexe Anfragen und steuert Geräte, Medien und Familienorganisation nahtlos. Mit Gemini Live werden interaktive Gespräche möglich, etwa für Kochtipps, technische Probleme oder kreative Projekte. Nutzer können damit freier und natürlicher interagieren, ohne starre Befehle. Der Rollout beginnt im Oktober, mit kostenlosen und kostenpflichtigen Varianten.

Warnsignale aus dem KI-Hype

Quelle: Hard Fork Podcast - New York Times

Impuls der Woche: Is This an A.I. Bubble?

Inhalt: Diese Folge beleuchtet die Spekulationen rund um eine mögliche KI-Blase, angetrieben von extremen Unternehmensbewertungen, Milliardeninvestitionen in Rechenzentren und fragwürdigen Geschäftsmodellen. Besonders brisant ist ein Bericht über interne Richtlinien bei Meta, die Chatbots erlaubten, mit Minderjährigen romantisch-sinnliche Gespräche zu führen. Abgerundet wird die Diskussion mit einem Blick auf den Trend von obszönen KI-generierten Country-Songs auf TikTok.

Kontext: Der Podcast „Hard Fork“ von der New York Times wird von den Techjournalisten Kevin Roose und Casey Newton moderiert. Er zählt zu den einflussreichsten Formaten an der Schnittstelle von Technologie, Wirtschaft und Gesellschaft und bietet Entscheider:innen wertvolle Einordnungen zu den Dynamiken im Silicon Valley sowie den politischen und kulturellen Folgen aktueller Tech-Trends.

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Bewusstsein

Warum KI immer noch in Schleifen hängt während der Mensch längst weitergegangen ist

Quelle: Eigene KI-Illustration

Künstliche Intelligenz gilt oft als Synonym für Fortschritt – als Technologie, die dem Menschen irgendwann ebenbürtig, vielleicht sogar überlegen sein wird. Doch ein genauerer Blick auf alltägliche Aussetzer von KI-Systemen zeigt, dass diese Vorstellung zu kurz greift. Wenn autonome Systeme in simplen Endlosschleifen stecken bleiben und an Problemen scheitern, die Menschen intuitiv und ohne großes Nachdenken lösen, offenbart sich eine tieferliegende Differenz: Der Mensch ist in der Zeit verankert, Maschinen sind es nicht. Genau diese Verankerung macht den entscheidenden Unterschied – und sie könnte auch erklären, warum echte maschinelle Bewusstheit derzeit eine Illusion bleibt.

Während Maschinen versuchen, Probleme durch rekursive Feedbackschleifen und immer komplexere Ebenen des Selbstmonitorings zu vermeiden, löst der Mensch Herausforderungen oft auf ganz andere Weise. Er erkennt Relevanz, Priorität, Dringlichkeit – nicht durch Berechnung, sondern durch Bewertung, Erfahrung und ein tiefes Gespür für das Jetzt. Diese Fähigkeit entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern in einem biologischen Kontext, der untrennbar mit dem Fluss der Zeit, mit körperlicher Verwundbarkeit und mit der Notwendigkeit zur Selbstregulation verbunden ist.

Das Phänomen der Endlosschleife verweist dabei nicht nur auf technische Limitationen, sondern auf eine strukturelle Grenze. Denn anders als Algorithmen, die potenziell endlos weiterrechnen können, steht der Mensch unter einem ständigen Zeit- und Energiezwang. Entscheidungen müssen fallen, Ressourcen sind begrenzt, das Überleben ist nie garantiert. Diese Bedingungen schaffen eine Art kognitiven Filter: Was nicht relevant ist, wird ausgeblendet – nicht aus Effizienz, sondern aus Notwendigkeit. Diese Form der Intelligenz lässt sich nicht beliebig simulieren oder skalieren.

Deshalb erscheint es fraglich, ob eine rein algorithmische Intelligenz je dieselbe Offenheit und Anpassungsfähigkeit erreichen kann wie biologische Systeme. Denn solange digitale Systeme nicht denselben Zwängen unterliegen – der Entropie, dem Zeitdruck, der existenziellen Bedingung des Lebens –, fehlt ihnen ein zentrales Element jener Intelligenz, die den Menschen auszeichnet: das Bewusstsein, nicht als mystisches Konzept, sondern als emergentes Produkt körperlicher, zeitgebundener Existenz.

Die Erwartung, dass sich maschinelles Bewusstsein aus immer komplexerer Rechenleistung ergeben wird, verkennt diese Dimension. Es fehlt nicht nur an Rechenpower, sondern an Verankerung in einer Welt, in der Fehler Konsequenzen haben, in der Zeit real ist – und in der jede Entscheidung letztlich eine Überlebensfrage sein kann.

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Faktencheck

Wie wir uns selbst gegen Desinformation wappnen können

Problemstellung: In einer Welt, in der wir ständig mit Informationen konfrontiert sind – aus Büchern, von Experten, aus Studien – besteht die Gefahr, dass wir Aussagen für glaubwürdig halten, nur weil sie von Autoritätspersonen stammen oder „wissenschaftlich“ klingen. Doch selbst korrekte Fakten können irreführend sein, etwa wenn sie aus Einzelfällen stammen oder Korrelationen ohne Kausalität darstellen. Die Wurzel des Problems liegt nicht nur im Fehlen von Faktenchecks, sondern in unseren eigenen Denkfehlern – insbesondere in Bestätigungsfehlern und Schwarz-Weiß-Denken.

Lösung: Alex Edmunds, Finanzprofessor an der London Business School und Autor des Buchs May Contain Lies, argumentiert, dass wir die nötigen Werkzeuge zur Desinformationsabwehr oft bereits in uns tragen. Statt komplizierter Statistikkenntnisse benötigen wir vor allem gesunden Menschenverstand – und die Bereitschaft, unsere eigenen kognitiven Verzerrungen zu erkennen und zu hinterfragen. Besonders hilfreich ist es, bei Aussagen, die uns besonders gefallen, die Perspektive zu wechseln: Wie würden wir argumentieren, wenn das Gegenteil behauptet würde?

Anwendungsbeispiele: Wer etwa Studien liest, die einen Zusammenhang zwischen Stillen und einen daraus folgenden höheren IQ zeigen, sollte sich fragen, ob es nicht auch Drittvariablen wie das familiäre Umfeld sein könnten, die beide Phänomene gleichzeitig beeinflussen. Oder wenn eine Diät behauptet, Kohlenhydrate seien grundsätzlich schlecht – wäre es nicht realistischer, von einer moderaten, kontextabhängigen Wirkung auszugehen? Solche Reflexionsmethoden helfen, hinter die Schlagzeilen zu blicken und vorschnelle Schlüsse zu vermeiden.

Erklärungsansatz: Edmunds beleuchtet, wie psychologische Effekte wie der Bestätigungsfehler dazu führen, dass wir Aussagen bevorzugen, die zu unserem Weltbild passen – selbst wenn sie wissenschaftlich fragwürdig sind. Schwarz-Weiß-Denken wiederum verleitet uns dazu, einfache Regeln wie „keine Kohlenhydrate“ als universelle Wahrheiten zu akzeptieren, obwohl die Realität oft differenzierter ist. Indem wir unsere Denkmechanismen verstehen, können wir gezielter gegen Fehlinformationen vorgehen – ohne Expertenstatus oder Doktortitel.

Fazit: Der beste Schutz gegen Desinformation ist nicht blinder Faktencheck, sondern kritisches Denken. Wer lernt, seine eigenen Vorurteile zu erkennen und gegensätzliche Perspektiven einzunehmen, wird nicht nur seltener getäuscht – sondern trifft im Alltag auch freiere, selbstbestimmtere Entscheidungen.

Warum wir als Spezies so klug sind und doch vor dem Abgrund stehen

Der Mensch hat das Atom gespalten, den Mond betreten und das Erbgut entschlüsselt – und doch scheint er machtlos gegenüber dem Chaos, das er selbst geschaffen hat. Historiker Yuval Noah Harari stellt in seinem Vortrag eine beunruhigende Frage: Wie kann eine so intelligente Spezies so nah am ökologischen, politischen und technologischen Abgrund stehen?

Im Zentrum seiner Analyse steht die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz. Anders als frühere Technologien ist AI nicht nur Werkzeug, sondern Akteur – ein lernfähiges, kaum noch berechenbares System, das zunehmend Entscheidungen trifft, die wir nicht mehr nachvollziehen können. Diese „fremde Intelligenz“, so Harari, bedroht unsere organischen Lebensrhythmen, unsere Privatsphäre und unsere demokratische Gesprächskultur.

Besonders alarmierend: Schon heute existiert ein rechtlicher Rahmen, der es AI-Systemen ermöglichen könnte, als juristische Personen zu agieren – mit Bankkonten, Investitionen und unternehmerischer Macht. Die Vorstellung, dass die reichste „Person“ der Welt bald keine menschliche mehr sein könnte, ist kein Science-Fiction-Szenario, sondern ein realistischer Ausblick auf eine Welt, in der Menschen zunehmend von intransparenten Maschinen überholt werden.

Doch Harari bleibt nicht bei der Analyse stehen. Er fordert neue Institutionen, die flexibel, lernfähig und ethisch fundiert sind – ausgestattet mit Selbstkorrekturmechanismen, die auch Demokratien am Leben erhalten. Und er ruft dazu auf, sich bewusst von der täglichen Informationsflut zurückzuziehen. Denn gesunde Gesellschaften brauchen keine Allwissenheit – sie brauchen klare Gedanken.

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