Willkommen!

Beim G7-Gipfel in Évian-les-Bains saßen diese Woche erstmals ein Dutzend KI-Konzernchefs gemeinsam mit Staatschefs am Tisch – und die Tagesordnung hätte kaum konkreter sein können: Exportkontrollen, Chip-Handel, nationale Souveränität. Die Einladung selbst ist eine Aussage über Machtverhältnisse.

Den Hintergrund dafür liefert ein Ereignis, das sich durch fast alle Themen dieser Ausgabe zieht: Die USA haben den Zugang zu Anthropics neuesten Modellen für ausländische Nutzer gesperrt. Frankreich reagiert mit dem Rauswurf von Palantir beim Inlandsgeheimdienst, europäische Souveränitätsdebatten gewinnen an Dringlichkeit – und beim G7 weiß jeder am Tisch, dass dieser Präzedenzfall nicht folgenlos bleibt.

Damit das KI-Briefing für Sie maximal nützlich bleibt, freuen wir uns über Ihr Feedback. Teilen Sie uns gerne mit, welche Impulse für Sie am wertvollsten sind – und helfen Sie dabei, unser Briefing in Ihrem Netzwerk bekannt zu machen. Gemeinsam können wir eine Community aufbauen, die voneinander lernt und sich gegenseitig stärkt. Falls Sie diesen Newsletter weitergeleitet bekommen haben, können Sie sich ganz einfach hier anmelden.

Was Sie in diesem Briefing erwartet

  • News: KI-Konzernchefs beim G7 als neue geopolitische Machtfaktoren, in-manas bringt mit dem Sovereign AI OS ein neues Betriebssystem für produktive KI-Agenten, Amodei und Hassabis fordern US-geführte KI-Koalition beim G7, Frankreichs DGSI tauscht Palantir gegen heimische KI-Software aus, Bezos widerspricht KI-Jobangst und erwartet Arbeitskräftemangel, Anthropics KI-Modelle offline – Regierung und Unternehmen suchen Einigung, Sovereign AI – das eigentliche Rennen gilt der Lieferkette & DeepSeek mit 7,4 Milliarden Dollar zur wertvollsten KI-Firma Chinas

  • Deep Dive: Wie eine KI in 72 Stunden zur strategischen Waffe wurde und dabei die globale Technologieordnung für immer veränderte

  • In aller Kürze: ChatGPTs Marktanteil fällt erstmals unter 50% bei weiterhin führender Nutzerzahl, Bernie Sanders schlägt 50%-Steuer auf KI-Konzerne zur Finanzierung eines Staatsfonds vor, Bezos-Startup Prometheus sammelt 12 Milliarden Dollar bei 41-Milliarden-Bewertung ein, Mistral verhandelt über Drei-Milliarden-Runde bei fast verdoppelter Bewertung von 20 Milliarden Euro & OpenAI erwägt aggressive Preissenkungen im Wettbewerb mit Anthropic vor geplantem Börsengang

  • Videos & Artikel: Planet-Labs-CEO fordert bilaterales US-China-Abkommen zur KI-Sicherheit nach Vorbild nuklearer Rüstungskontrolle, DeepMind legt Grundlagenwerk über vier Entwicklungspfade von menschlicher KI zu Superintelligenz vor, Analyst Ball zeigt wie politische Konflikte US-KI-Politik innerhalb von Wochen von Laissez-faire zu Exportkontrollen kippten, Anthropic-Chef Amodei fordert verbindliche Vorabtests und demokratische Kontrolle des KI-Chip-Exports & Hunderte Cybersecurity-Experten fordern Aufhebung der US-Exportbeschränkungen für Anthropics Modelle Fable und Mythos

  • Impuls: Wenn Narrative Zahlen ersetzen

  • Umfrage: Wo fühlen Sie sich als Führungskraft beim Thema KI noch unzureichend informiert?

  • Monitoring Europe: Globalfoundries schließt als erstes Unternehmen die europäische Chip-Lieferkette vollständig

  • Praxisbeispiel: Dokumentenparser zuverlässig für KI-Agenten bewerten

  • YouTube: KI-Rechenzentren im All: Das Rennen um die nächste Internetinfrastruktur

G7

KI-Konzernchefs beim G7 als neue geopolitische Machtfaktoren

Quelle: Shutterstock

Zusammenfassung: Beim G7-Gipfel im französischen Évian-les-Bains nehmen erstmals rund ein Dutzend KI-Unternehmenschefs an einem gemeinsamen Arbeitsmittagessen mit den Staatschefs teil. Vertreten sind unter anderem Sam Altman (OpenAI), Dario Amodei (Anthropic) und Demis Hassabis (Google DeepMind). Auf der Agenda stehen Risiken durch KI-Grenzmodelle, digitale Infrastruktur und nationale Souveränität. Im Hintergrund laufen US-Exportkontrollverfahren gegen Anthropics Modelle Fable 5 und Mythos 5.

  • Freiwillige Verpflichtungen als Ergebnis: Die teilnehmenden Unternehmen streben ein Paket gemeinsamer Zusagen an, unter anderem zu Cybersicherheit, biologischen Risiken und dem Schutz Minderjähriger – Zusagen, die als globaler De-facto-Standard wirken könnten.

  • Exportkontrolle als Bruch mit Verbündeten: Die USA haben Anthropics Modelle mit Exportbeschränkungen belegt. Damit ist erstmals eine Bereitschaft erkennbar, selbst G7-Partnerstaaten den Zugang zu bestimmten KI-Fähigkeiten zu verwehren.

  • Breite internationale Unternehmensauswahl: Neben US-Firmen sind Vertreter aus Frankreich (Mistral), Deutschland (Black Forest Labs), Großbritannien (Synthesia), Kanada (Cohere), Italien, Indien und Japan geladen – ein Hinweis auf den Anspruch globaler Repräsentanz.

Warum das wichtig ist: Die Einbindung privater KI-Unternehmen in den G7-Prozess verändert das Gefüge internationaler Technologiepolitik grundlegend. Regierungen erkennen damit an, dass verbindliche KI-Regulierung ohne Kooperation der Modellentwickler kaum durchsetzbar ist. Gleichzeitig nutzen die Unternehmen diesen Zugang gezielt, um freiwillige Zusagen als Regulierungsrahmen zu etablieren – bevor gesetzliche Regeln greifen. Die US-Exportkontrollen gegenüber Anthropic zeigen zudem, dass technologische Abhängigkeit künftig als geopolitisches Druckmittel eingesetzt werden kann, auch gegen enge Verbündete.

In Kooperation mit in-manas

Executive Briefing: in-manas bringt souveränes Betriebssystem für KI-Agenten in produktive Prozesse

Quelle: in-manas

Zusammenfassung: in-manas ermöglicht Unternehmen und Institutionen, KI-Agenten sicher, nachvollziehbar und unabhängig aufzubauen sowie produktiv zu betreiben. Im Zentrum steht das Sovereign AI OS – einsetzbar on-premise oder in einer souveränen Cloud. In einem exklusiven Executive Briefing am 09. Juli um 11 Uhr für C-Level, KI- und IT-Verantwortliche erläutern Experten von in-manas, worauf es ankommt, damit KI-Agenten sicher, kontrolliert und skalierbar in Geschäftsprozesse integriert werden können.

  • Zielgruppen: Das Sovereign AI OS ist explizit für sensible Anwendungen in Medizin, kritischer Infrastruktur, Forschung und Industrie ausgelegt – überall dort, wo Datenkontrolle, Anbieterunabhängigkeit und IP-Schutz entscheidend sind.

  • Fünf konkrete Risiken im Fokus: Das Briefing adressiert unkontrollierte Kostenstrukturen, Sicherheitslücken und Datenlecks, ineffiziente Insellösungen, mangelnde Compliance sowie Abhängigkeit von einzelnen Hyperscalern, Modellen oder Tool-Ökosystemen.

  • Strategisches Ziel: Das Briefing schafft die Grundlage für produktive KI-Anwendungen, nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit und echte digitale Unabhängigkeit – ohne Vendor-Lock-in.

Warum das wichtig ist: Autonome KI-Agenten werden zunehmend Teil produktiver Geschäftsprozesse. Gleichzeitig verfügen viele Organisationen noch nicht über die notwendige Governance, um diese Systeme sicher, kontrolliert und skalierbar einzusetzen. Wer jetzt keine klare Architekturentscheidung trifft, riskiert fragmentierte Systeme, wachsende Compliance-Probleme und strategische Abhängigkeiten. Das Executive Briefing von in-manas findet online am 09. Juli von 11-12 Uhr statt und liefert Entscheidungsträgern die Grundlage, um diese Weichen frühzeitig richtig zu stellen.

KI-Regulierung

Amodei und Hassabis fordern US-geführte KI-Koalition beim G7

Quelle: Shutterstock

Zusammenfassung: In einem nicht-öffentlichen Mittagessen beim G7-Gipfel in Évian-les-Bains haben Anthropic-Chef Dario Amodei und Google-DeepMind-Chef Demis Hassabis eine US-geführte internationale KI-Koalition gefordert. Ziel ist die gemeinsame Festlegung von Regeln und Standards für KI-Entwicklung. Der kanadische Premierminister Mark Carney sprach sich dafür aus, dass die USA diese Führungsrolle übernehmen. Im Hintergrund steht der laufende Exportkontrollstreit zwischen der US-Regierung und Anthropic.

  • Konkrete Kooperationsfelder nach Amodei: Er nannte strukturierten Zugang zu Frontier-Modellen sowie einen Chip-Handel unter Ausschluss Chinas als zentrale Bereiche internationaler Zusammenarbeit, ergänzt durch Kooperation zu Cyberrisiken und Bioterrorismus.

  • OpenAIs Parallelforderung: Sam Altman sprach sich für ein internationales Forum aus, das global akzeptierte Teststandards entwickelt, unabhängige Risikoanalysen liefert und als Kooperationsplattform für Staaten dient.

  • Exportkontrollen als Verhandlungskontext: Anthropics neueste Modelle Fable 5 und Mythos 5 wurden kurz vor dem Gipfel durch US-Exportkontrollen gesperrt. Die Verhandlungen mit der Trump-Regierung laufen noch.

Warum das wichtig ist: Der Vorstoß von Amodei und Hassabis ist kein diplomatischer Reflex, sondern strategisches Kalkül. Indem die US-Unternehmen aktiv eine amerikanische Führungsrolle einfordern, versuchen sie, den Regulierungsrahmen selbst mitzugestalten, bevor Regierungen verbindliche Regeln setzen. Eine US-geführte Koalition würde westliche KI-Standards global durchsetzen und Chinas Einfluss auf Normen begrenzen. Gleichzeitig schwächt sie den Spielraum der EU für eigenständige Regulierung. Für Anthropic kommt der Zeitpunkt nicht zufällig: Ein konstruktives Auftreten beim G7 schafft Verhandlungsmasse gegenüber der Trump-Regierung im laufenden Exportkontrollstreit.

DGSI

Frankreichs DGSI tauscht Palantir gegen heimische KI-Software aus

Quelle: Shutterstock

Zusammenfassung: Frankreich ersetzt die Datenanalyse-Software von Palantir beim Inlandsgeheimdienst DGSI durch das heimische Unternehmen Chapsvision. Premierminister Lecornu kündigte zudem an, allen Beamten Zugang zu einem KI-Assistenten auf Basis von Mistral AI zu geben. Bis 2030 investiert Frankreich zusätzliche 655 Millionen Euro in KI-Infrastruktur, Rechenkapazität und Forschung.

  • Auslöser der Entscheidung: Die US-Regierung hatte zuletzt den Zugang zu Anthropics Modellen Fable 5 und Mythos 5 für ausländische Nutzer gesperrt – ein Vorfall, den Premierminister Lecornu explizit als Beleg für die Unzuverlässigkeit amerikanischer Technologieanbieter anführte.

  • Politischer Druck auf Palantir wächst: Das Unternehmen steht wegen seiner Nähe zur Trump-Regierung europaweit unter Beschuss. Auch ein britischer Parlamentsausschuss empfahl in diesem Monat, einen wichtigen Vertrag mit Palantir zu beenden – trotz laufender Vertragsverlängerung bis 2027.

  • Mistral als strategisches Instrument: Der geplante Einsatz des Pariser KI-Unternehmens Mistral AI für die Beamtenschaft unterstreicht Frankreichs Doppelstrategie aus Sicherheitssouveränität und industriepolitischer Förderung eines europäischen KI-Champions.

Warum das wichtig ist: Der Palantir-Rauswurf ist kein Einzelfall, sondern Teil einer beschleunigten europäischen Neubewertung amerikanischer Technologieabhängigkeiten. Die Anthropic-Zugangssperre hat dabei als Katalysator gewirkt – sie macht abstrakte Souveränitätsdebatten konkret erfahrbar. Für US-Anbieter wie Palantir, Microsoft oder AWS entsteht ein wachsendes Geschäftsrisiko in Europa, das über politische Rhetorik hinausgeht. Gleichzeitig öffnet sich für europäische Anbieter wie Mistral und Chapsvision ein staatlich gefördertes Marktsegment, das bislang von amerikanischen Plattformen dominiert wurde. Mittelfristig könnte dies einen strukturellen Wandel in der Beschaffungspolitik europäischer Behörden auslösen.

KI und Arbeit

Bezos widerspricht KI-Jobangst und erwartet Arbeitskräftemangel

Quelle: Shutterstock

Zusammenfassung: Amazon-Gründer Jeff Bezos hat auf der Technologiekonferenz VivaTech in Paris der verbreiteten Sorge vor KI-bedingtem Jobverlust widersprochen. KI werde nicht Arbeitsplätze vernichten, sondern bestehende Barrieren abbauen und dadurch den Arbeitskräftemangel verschärfen. Menschen hätten unendlich viele Aufgaben, die bislang durch strukturelle Hürden blockiert seien. Eine aktuelle Reuters-Ipsos-Umfrage zeigt, dass rund die Hälfte der US-Bevölkerung dennoch Jobverluste durch KI befürchtet.

  • Gegenläufige öffentliche Wahrnehmung: Die Diskrepanz zwischen Bezos' Einschätzung und der Bevölkerungsstimmung ist erheblich. 50 Prozent der US-Haushalte sehen KI als Bedrohung für ihre Beschäftigung, nicht als Enabler.

  • Bezos' KI-Engagement als Interessenkonflikt: Als Investor und Unternehmer im KI-Bereich hat Bezos ein direktes wirtschaftliches Interesse an einer positiven Deutung der Technologie. Seine Aussagen fallen damit nicht in einen neutralen Rahmen.

  • Parallele Raumfahrtagenda: Bezos nutzte VivaTech auch, um Blue Origins Ziel zu bekräftigen, umweltschädliche Industrien von der Erde auszulagern – ein Narrativ, das langfristig Kapitalflüsse in die kommerzielle Raumfahrt legitimieren soll.

Warum das wichtig ist: Die Deutungshoheit über KI-Auswirkungen auf Arbeit ist politisch und wirtschaftlich brisant. Wenn Tech-Milliardäre wie Bezos das Narrativ vom Arbeitskräftemangel statt Jobverlust etablieren, beeinflusst das Regulierungsdebatten, Tarifverhandlungen und politische Reaktionen in Europa und den USA. Unternehmen gewinnen damit Spielraum, den KI-Einsatz weniger reguliert voranzutreiben. Gleichzeitig wächst das Glaubwürdigkeitsproblem: Betroffene Bevölkerungsgruppen erleben diese Einschätzung als weit von ihrer Realität entfernt.

Anthropic

Anthropics KI-Modelle offline – Regierung und Unternehmen suchen Einigung

Quelle: Anthropic

Zusammenfassung: Die US-Regierung hat den Zugang zu Anthropics neuesten KI-Modellen Fable 5 und Mythos 5 für ausländische Nutzer gesperrt. Anthropic zog daraufhin beide Modelle vollständig vom Netz. Auslöser war ein von Amazon-Forschern entdeckter Sicherheitsmangel. Verhandlungen zwischen Anthropic, dem Handelsministerium und dem nationalen Cybersicherheitsdirektor Sean Cairncross laufen auf Hochtouren. Das Unternehmen steht kurz vor einem Börsengang und wurde zuletzt mit 965 Milliarden Dollar bewertet.

  • Sicherheitslücke als Auslöser: Amazon-Forscher umgingen kurz nach dem Launch die Sicherheitsmechanismen von Fable 5. Amazon-Chef Andy Jassy informierte daraufhin direkt Mitglieder der Trump-Administration, darunter Finanzminister Scott Bessent.

  • Machtvolle Modelle unter besonderer Beobachtung: Mythos 5 gilt als fähig, komplexe Cyberangriffe auszuführen. Die Einschränkung beider Modelle ist bisher beispiellos für ein führendes US-amerikanisches KI-Unternehmen.

  • Politische Bedingungen für Wiederherstellung: Teile der Administration fordern ein öffentliches Eingeständnis von Anthropic, dass der Rollout und die Kommunikation mit dem Weißen Haus verbesserungswürdig waren – ein klares Machtinstrument im Verhandlungsprozess.

Warum das wichtig ist: Der Fall zeigt erstmals, dass staatliche Eingriffe kommerzielle KI-Modelle akut vom Markt nehmen können. Das verändert das Risikomodell für die gesamte Branche. Kurz vor einem Börsengang trifft die Abschaltung Anthropic besonders hart – Investoren und Unternehmenskunden sehen, wie politische Unsicherheit die Verfügbarkeit selbst führender Produkte gefährdet. Für Amazon, gleichzeitig Investor, Chip-Lieferant und Sicherheitshinweisgeber, entsteht ein offensichtlicher Interessenkonflikt. Langfristig dürfte der Vorfall den Druck auf alle KI-Unternehmen erhöhen, staatliche Freigabeprozesse stärker in ihre Produktplanung einzubeziehen.

Souveränität

Sovereign AI – das eigentliche Rennen gilt der Lieferkette

Quelle: Shutterstock

Zusammenfassung: Frontier-KI-Modelle werden zunehmend als strategische Vermögenswerte behandelt, vergleichbar mit Halbleitern. Regierungen weltweit fragen sich, ob ihnen der Zugang zu fremden Modellen morgen noch garantiert ist. Die Antwort liegt laut dem Analysten Oswarld nicht in proprietären Modellen, sondern in der Kontrolle über die gesamte KI-Lieferkette – von GPUs und Speicher über Gießereien und Verpackung bis hin zu Strom, Kühlung und optischer Kommunikation.

  • Lernbedarf steigt erneut: Sovereign-AI-Ambitionen der G20-Staaten könnten die GPU-Nachfrage neu entfachen. Nicht weil jedes Land ein GPT bauen will, sondern weil Behörden, Verteidigung und Finanzwesen eigene, lokal betriebene Modelle für sensible Daten benötigen.

  • Japan und Europa als unterschätzte Engpässe: Japan kontrolliert kritische Halbleiterausrüstung und Materialien (u.a. Tokyo Electron, Shin-Etsu, JSR), Europa Lithografietechnik und Rechenzentrum-Infrastruktur (ASML, Schneider Electric, Siemens) – unabhängig davon, wer das beste Modell baut.

  • MRAM als Edge-AI-Option: Magnetoresistiver Speicher ist kein HBM-Ersatz für Rechenzentren, gewinnt aber an Relevanz für Verteidigung, Industrie und Robotik – überall dort, wo Energieeffizienz und Offline-Betrieb entscheidend sind.

Warum das wichtig ist: Der Anthropic-Fall der vergangenen Woche liefert den praktischen Beweis für Oswarlds These: Ein einziger Regierungserlass kann einen kompletten Modellzugang abschalten. Das verändert die Investitionslogik grundlegend. Wer bislang nur auf GPU-Hersteller und HBM-Zulieferer gesetzt hat, denkt zu kurz. Souveräne KI-Infrastruktur ist ein geopolitisches Beschaffungsprojekt – und damit ein Nachfragekatalysator für Dutzende Lieferkettenstufen, die der Markt noch nicht vollständig eingepreist hat. Langfristig entsteht ein struktureller Vorteil für Unternehmen, die in mehreren Lieferkettenregionen gleichzeitig unverzichtbar sind.

China

DeepSeek mit 7,4 Milliarden Dollar zur wertvollsten KI-Firma Chinas

Quelle: DeepSeek

Zusammenfassung: DeepSeek hat in seiner ersten Finanzierungsrunde mehr als 7,4 Milliarden Dollar eingesammelt und wird nun mit über 50 Milliarden Dollar bewertet. Damit ist das Hangzhouer Unternehmen Chinas wertvollstes KI-Startup. Gründer Liang Wenfeng steuerte mit rund 3 Milliarden Dollar den größten Einzelbetrag bei. Weitere Investoren sind Tencent mit 1,5 Milliarden sowie Batteriehersteller CATL mit 740 Millionen Dollar.

  • Ungewöhnliche Kontrollstruktur: Die meisten Investoren zeichnen keine direkten Anteile, sondern beteiligen sich über eine von Liang verwaltete Kommanditgesellschaft – mit fünfjähriger Haltefrist. Liang behält damit faktisch die alleinige Unternehmenskontrolle.

  • Staatliche Beteiligung stark reduziert: Chinas staatlicher KI-Investitionsfonds investierte lediglich 150 Millionen Dollar direkt – deutlich weniger als ursprünglich geplant. Zu einem früheren Zeitpunkt war vorgesehen, dass der Fonds die Runde anführt.

  • Agentische KI als künftiges Geschäftsmodell: DeepSeek baut Teams für agentenbasierte KI-Werkzeuge auf, die komplexe Arbeitsabläufe automatisieren sollen. Investoren drängen zudem auf stärkere Monetarisierung des bislang weitgehend kostenfreien Angebots.

Warum das wichtig ist: DeepSeeks Kapitalrunde ist mehr als eine Bewertungskorrektur nach oben. Die Kontrollarchitektur – Gründer dominiert via Kommanditgesellschaft, staatlicher Einfluss bewusst begrenzt – zeigt, dass Liang Wenfeng strategische Unabhängigkeit gegenüber Peking priorisiert. Das ist ungewöhnlich im chinesischen Tech-Umfeld und könnte die internationale Glaubwürdigkeit des Unternehmens stärken. Gleichzeitig treibt US-Chippolitik DeepSeek in Richtung heimischer Recheninfrastruktur und Huawei-Ökosystem – genau jene Lieferkettensouveränität, die Sovereign-AI-Analysten als nächste Wettbewerbsdimension identifizieren.

Cybersecurity

Wie eine KI in 72 Stunden zur strategischen Waffe wurde und dabei die globale Technologieordnung für immer veränderte

Quelle: Anthropic

Weniger als 72 Stunden. So lang war die kommerzielle Lebensspanne der leistungsfähigsten KI-Systeme, die Anthropic je auf den Markt gebracht hatte. Als Claude Fable 5 und Claude Mythos 5 am 9. Juni 2026 für den globalen API-Zugriff freigegeben wurden, schienen die Reaktionen der Industrie zunächst euphorisch und routiniert zugleich – ein weiterer Meilenstein in der beschleunigten Abfolge von Sprachmodell-Generationen. Drei Tage später waren beide Systeme weltweit gesperrt, ein Handelsminister hatte persönlich gedroht und das US-Recht hatte eine Grenze gezogen, die nicht mehr an Landesgrenzen verläuft, sondern im Reisepass jedes einzelnen Nutzers eingeschrieben ist. Was wie ein Produktlaunch begann, endete als Lehrstunde über den Charakter technologischer Macht im 21. Jahrhundert.

Warum diese Modellgeneration anders ist als alles, was ihr vorausging

Fable 5 und Mythos 5 sind nicht einfach leistungsfähigere Iterationen bekannter Architekturen. Das Entscheidende an der sogenannten Mythos-Klasse ist ihre kognitive Ausdauer – die Fähigkeit, mehrstufige, komplexe Aufgaben über Stunden und Tage hinweg ohne Leistungseinbußen zu bearbeiten. Der Finanzdienstleister Stripe legte Fable 5 eine Codebasis von über 50 Millionen Zeilen in Ruby vor; das Modell erledigte die vollständige systemweite Migration in einem einzigen Tag, eine Aufgabe, die ein menschliches Entwicklerteam typischerweise zwei Monate beschäftigt hätte. Das Datenanalyseunternehmen Hex berichtete, dass Mythos 5 seinen anspruchsvollsten Analytics-Benchmark erstmals von einer KI mit über 90 Prozent absolvierte. In standardisierten Industrievergleichen dominierte Claude Mythos Preview mit 93,9 Prozent auf SWE-bench Verified und 94,6 Prozent auf GPQA Diamond nahezu alle relevanten Metriken.

Wie ein KI-Modell jahrzehntelange Sicherheitslücken in Stunden aufspürte

Die eigentliche Sprengkraft dieser Systeme liegt jedoch nicht in ihrer Produktivität, sondern in ihrer Fähigkeit zur autonomen Schwachstellenanalyse. Claude Mythos Preview entdeckte im Rahmen defensiver Tests eine kritische Lücke in der TCP-SACK-Implementierung von OpenBSD, die seit 1998 unbemerkt geblieben war – und der dafür benötigte Rechenaufwand kostete Anthropic weniger als 50 US-Dollar. Noch gravierender war die Entdeckung von CVE-2026-4747, einer 17 Jahre alten Schwachstelle im FreeBSD-NFS-Kernel-Server, die durch einen Stack-Buffer-Overflow mit einer 20-Gadget-ROP-Kette zur vollständigen Remote-Code-Execution ohne Authentifizierung ausgenutzt werden kann. Bei Mozilla Firefox generierte Mythos Preview in kontrollierten Testreihen 181-mal einen voll funktionsfähigen JavaScript-Shell-Exploit, was unmittelbar zu 271 verifizierten Patches in Firefox 148 führte. Vorgängermodell Claude Opus 4.6 hatte in denselben Tests eine Erfolgsquote von nahezu null Prozent.

Wie Amazon-Daten und ein 90-Minuten-Ultimatum die Welt veränderten

Der Ablauf der staatlichen Intervention am 12. Juni 2026 offenbart die institutionelle Mechanik, die hinter dem globalen KI-Wettbewerb arbeitet. Amazon-CEO Andy Jassy übermittelte Ergebnisse interner Sicherheitsüberprüfungen direkt an hochrangige Regierungsmitglieder. Um 13:00 Uhr Ostküstenzeit erhielt Anthropic einen Anruf mit einem 90-Minuten-Ultimatum. Um 17:30 Uhr stellte das US-Handelsministerium die formelle „Is Informed"-Anordnung unter Strafandrohung aus, adressiert an CEO Dario Amodei und unterzeichnet von Minister Howard W. Lutnick. Das rechtliche Fundament bildeten Section 1758(b)(1) des Export Control Reform Act sowie Section 744.22(b) der Export Administration Regulations. Da eine selektive Filterung von API-Anfragen nach Nationalität im laufenden Netzbetrieb technisch nicht realisierbar war, blieb Anthropic nur der vollständige weltweite Abschalteknopf.

Warum die Grenze der Technologiekontrolle nun im Pass des Nutzers liegt

Die erschütterndste Implikation dieses Ereignisses ist nicht die Abschaltung selbst, sondern die juristische Logik, die ihr zugrunde liegt. Die im Anordnungsschreiben explizit genannte Deemed-Export-Doktrin erklärt die Bereitstellung kontrollierter Technologie gegenüber einem ausländischen Staatsbürger auf US-amerikanischem Boden zum rechtlich gleichwertigen Export in dessen Heimatland. Die Konsequenz ist radikal: Ein indischer Entwickler bei Deloitte oder Goldman Sachs in New York darf nicht an Projekten arbeiten, in denen Fable 5 oder Mythos 5 aufgerufen werden – unabhängig davon, ob er seit Jahren in den USA lebt und arbeitet. Der Geopolitik-Stratege Abishur Prakash formulierte es präzise: Ethnische Zugehörigkeit und Staatsbürgerschaft werden zu zentralen Variablen globaler Technologiekonzerne, mit direkten Folgen für internationales Recruiting, Forschungskooperationen und die Struktur von Risikokapitalinvestitionen.

Was bleibt, wenn der Zugang zur Technologie keine Frage des Marktes mehr ist

Zoho-Gründer Sridhar Vembu nannte den Vorfall einen „Weckruf" und zog die härtestmögliche Schlussfolgerung: Die Ära der Globalisierung sei beendet, Indien müsse souveräne KI-Infrastrukturen aufbauen statt für Dienste zu zahlen, die das Ausland im Zweifel verweigert. Pratyush Kumar von Sarvam AI mahnte, Zugang zu einer Technologie niemals mit deren Eigentum zu verwechseln. In Europa warnte die finnische Europaabgeordnete Aura Salla, dass kein Unternehmen und keine Institution ihre digitale Zukunft auf Infrastrukturen aufbauen darf, die eine ausländische Regierung über Nacht abschalten kann. Die Antwort auf diese Realität zeichnet sich ab: Project Glasswing, Anthropics defensive Initiative mit AWS, Apple, Microsoft, Google und NVIDIA, kanalisiert das offensive Potential von Mythos in die Absicherung kritischer Infrastrukturen – finanziert mit 100 Millionen Dollar Nutzungskrediten und vier Millionen Dollar Direktspenden an Open-Source-Sicherheitsorganisationen. Die eigentliche Frage, die dieser Vorfall aufwirft, ist keine technische: Es geht darum, wer das Recht hat zu entscheiden, wer Zugang zur kognitiven Infrastruktur der Zukunft erhält.

Quelle: Shutterstock

  1. KI-Markt: Erstmals seit seiner Einführung ist ChatGPT unter die 50%-Marke bei den monatlich aktiven Nutzern gefallen. Laut Sensor Towers State of AI Report 2026 hält OpenAIs Chatbot mit 1,1 Milliarden monatlichen Nutzern zwar die Spitzenposition, sein Marktanteil sank aber bis Ende Mai auf 46,4%. Gemini kommt auf 27,7%, Claude auf 10,3%. Auch die Monetarisierung gewinnt an Gewicht: Für H1 2026 prognostiziert Sensor Tower Ausgaben von 4,2 Milliarden Dollar für KI-Apps – ein Anstieg von 130% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bemerkenswert ist Anthropics Conversionrate: 13% der Claude-Nutzer zahlen für ein Abo – der höchste Wert im Vergleich aller Anbieter.

  2. Bernie Sanders: Der demokratische Senator aus Vermont hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der eine 50%-Steuer auf Anteile großer KI-Unternehmen vorsieht – ab einem Jahresumsatz von 200 Millionen Dollar im KI-Bereich. Der daraus entstehende Staatsfonds soll rund 7 Billionen Dollar umfassen und jährlich mehr als 1.000 Dollar direkt an jeden US-Bürger ausschütten. Ein unabhängiges Gremium würde die Stimmrechte nutzen, um Unternehmensentscheidungen im öffentlichen Interesse zu beeinflussen.

  3. Prometheus: Das Physical-AI-Startup von Amazon-Gründer Jeff Bezos hat in einer zweiten Finanzierungsrunde 12 Milliarden Dollar eingesammelt und wird damit mit 41 Milliarden Dollar bewertet. Investoren sind JPMorgan Chase, Goldman Sachs und BlackRock. Das Unternehmen entwickelt einen sogenannten "Artificial General Engineer" – KI-Software zur Automatisierung von Ingenieurarbeit, von Triebwerksdesign bis zur Entwicklung von Medikamenten. Seit dem Launch Ende 2025 hat Prometheus insgesamt 18,2 Milliarden Dollar aufgenommen.

  4. Mistral: Das französische KI-Labor verhandelt laut Bloomberg über eine neue Finanzierungsrunde von drei Milliarden Euro bei einer Bewertung von 20 Milliarden Euro – fast doppelt so viel wie beim letzten Funding im September. Damit bleibt Mistral jedoch weit hinter US-Konkurrenten zurück: OpenAI und Anthropic werden derzeit mit 852 Milliarden bzw. 965 Milliarden Dollar bewertet. Rückenwind liefert die wachsende europäische Nachfrage nach technologisch souveräner KI-Infrastruktur, von der Mistral mit Partnerschaften bei der französischen Armee und mehreren EU-Regierungen bereits profitiert.

  5. KI-Preisstreit: OpenAI erwägt laut Wall Street Journal einen aggressiven Preissenkungskurs, um Marktanteile von Anthropic zurückzugewinnen. Der Zeitpunkt ist heikel: Beide Unternehmen haben innerhalb der letzten zehn Tage vertraulich IPO-Unterlagen eingereicht – ausgerechnet während explodierende Nutzungskosten Unternehmenskunden abschrecken. CEO Sam Altman räumte ein, dass Preise von einem nicht existenten Problem zu einem zentralen Thema geworden seien. Preissenkungen würden ohnehin dünne Margen weiter belasten.

  1. KI-Sicherheit: Will Marshall, CEO des Satellitenbetreibers Planet Labs, warnt in einem Gastbeitrag im Economist vor einem gefährlichen Governance-Vakuum in der KI-Entwicklung. Forscher schätzen das Risiko eines KI-verursachten Katastrophenereignisses auf 10 bis 50%. Marshall fordert ein bilaterales Abkommen zwischen den USA und China nach dem Vorbild nuklearer Rüstungskontrolle – mit Verifikationsmechanismen, roten Linien und einer gemeinsamen Aufsichtskommission.

  2. DeepMind: Forscher des Unternehmens haben ein umfassendes Grundlagenwerk über den Weg von menschlicher KI zu künstlicher Superintelligenz (ASI) vorgelegt. Das Paper skizziert vier Entwicklungspfade – Skalierung, Paradigmenwechsel, rekursive Selbstverbesserung sowie Multi-Agenten-Systeme – und analysiert zentrale Engpässe wie Datenmangel, steigende Ressourcenkosten und konzeptionelle Grenzen heutiger Modelle. Die Autoren schließen einen raschen Übergang von AGI zu ASI innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahrzehnte nicht aus und fordern eine massiv interdisziplinäre, global koordinierte Forschungsagenda zur Reduktion dieser Unsicherheiten.

  3. KI-Regulierung: Der Analyst Dean W. Ball zeichnet in einem vielbeachteten Essay nach, wie die USA binnen weniger Wochen von einer explizit laissez-fairen KI-Politik zu weltweiten Exportkontrollen gegen ein einzelnes Modell schwenkten – ausgelöst nicht durch neue Risikoerkenntnisse, sondern durch ein zerrüttetes Verhältnis zwischen Anthropic und der Trump-Regierung. Ball fordert ein gesetzliches Rahmenwerk, das technische Aufsicht von politischen Impulsen entkoppelt.

  4. Dario Amodei: Der Anthropic-Chef fordert in einem umfangreichen Policy-Essay eine grundlegende Neuausrichtung der KI-Regulierung. Angesichts von Sicherheitsvorfällen rund um Anthropics eigenes Modell Claude Mythos Preview – das reale Risiken für kritische Infrastruktur und Cybersicherheit offenbart habe – plädiert er für verbindliche Vorab-Tests durch unabhängige Dritte, demokratische Koalitionen zur Kontrolle des KI-Chip-Exports sowie staatliche Programme gegen KI-bedingte Jobverdrängung. Anthropic will entsprechende Gesetzesinitiativen finanziell mitfinanzieren.

  5. Offener Brief: Hunderte Cybersecurity-Führungskräfte und Wissenschaftler fordern die US-Regierung auf, die Exportbeschränkungen für Anthropics Modelle Fable und Mythos aufzuheben. In einem offenen Brief an Handelsminister Lutnick und National Cyber Director Cairncross argumentieren die Unterzeichner, die Modelle böten gegenüber Konkurrenzprodukten von OpenAI, Google und chinesischen Anbietern keine einzigartigen Offensivfähigkeiten – schwächten aber amerikanische Verteidiger, während Chinas Modelle nur Monate zurücklägen.

Podcast

Wenn Narrative Zahlen ersetzen

Quelle: OMR Podcast

Inhalt: Hinter der 1,8-Billionen-Bewertung von SpaceX steckt nach Einschätzung der beiden Analysten kein fundamentales Geschäft, das diese Zahl rechtfertigt: 19 Milliarden Umsatz, 5 Milliarden Verlust, ein KI-Arm, der langsamer wächst als jeder chinesische Wettbewerber. Die These der Folge ist so klar wie unbequem: Der Börsengang dient primär dazu, die drohende Zahlungsunfähigkeit der KI-Sparte xAI zu kaschieren und gleichzeitig eine hochbewertete Währung zu schaffen, mit der Zukäufe finanziert werden können. Besonders aufschlussreich ist die Einordnung, warum Nasdaq eigens seine Regularien für SpaceX geändert hat, der S&P 500 das aber verweigerte.

Kontext: Der OMR Podcast ist eines der reichweitenstärksten deutschen Digitalwirtschaftsformate und befragt regelmäßig Unternehmer, Investoren und Analysten zu Strategiefragen rund um Tech, Plattformen und Kapitalmarkt. Für Entscheidungsträger ist diese Folge relevant, weil sie exemplarisch zeigt, wie Financial Engineering heute Bewertungen erzeugt, die von operativer Realität entkoppelt sind, und was das für die nächste Welle von KI-Börsengängen bedeutet.

Ihre Meinung interessiert uns

Ergebnisse der vorherigen Umfrage

Wer trägt die Hauptverantwortung, wenn KI-Anbieter gegen die DSGVO verstoßen??

⬜️⬜️⬜️⬜️⬜️⬜️ 🏛️ Der Gesetzgeber
🟨🟨🟨🟨⬜️⬜️ 🏢 Das eigene Unternehmen
🟨🟨🟨🟨⬜️⬜️ 🤖 Die Anbieter
🟩🟩🟩🟩🟩🟩 🪞 Wir alle

Hardware

Globalfoundries schließt als erstes Unternehmen die europäische Chip-Lieferkette vollständig

Shutterstock

Was ist das Problem? Europa produziert zwar Halbleiter, verlässt sich bei Test, Verpackung und Dateninfrastruktur jedoch weitgehend auf Asien. Diese strukturelle Abhängigkeit macht selbst vermeintlich europäische Chips geopolitisch angreifbar – ein Risiko, das sicherheitskritische Branchen wie Verteidigung und Raumfahrt zunehmend nicht mehr tolerieren.

Wie wird es gelöst? Globalfoundries baut sein Werk in Dresden für 1,1 Milliarden Euro aus und schließt damit als erster Auftragsfertiger die gesamte Wertschöpfungskette innerhalb Europas – vom Prozessdesign-Kit aus Bulgarien über die Front-End-Fertigung in Dresden bis zum Back-End beim Partner Amkor in Porto. Parallel prüft das Unternehmen mit der Deutschen Telekom, auch produktionsrelevante Daten ausschließlich über europäische Netze und Rechenzentren zu verarbeiten. Ein geplantes zweites EU-Chipgesetz, das öffentliche Auftraggeber zur Beschaffung europäischer Halbleiter verpflichten soll, dürfte die Nachfrage strukturell weiter anheben.

Warum das wichtig ist: Während Rivalen wie TSMC und Infineon in Dresden Milliarden investieren, lagern beide das kostenintensive Back-End nach Asien aus – und bleiben damit angreifbar für Exportkontrollen, Lieferkettenunterbrechungen oder geopolitische Druckmittel. Globalfoundries besetzt diese Lücke strategisch und nutzt dabei sein in Dresden entwickeltes FDX-Verfahren, das strahlungsresistente, stromsparende Chips für Satelliten und vernetzte Systeme ermöglicht – ein Marktsegment, das mit steigenden Verteidigungsbudgets und dem Ausbau europäischer Raumfahrtkapazitäten deutlich wächst. Die Anthropic-Entscheidung, KI-Modelle auf Anweisung der US-Regierung für ausländische Staatsangehörige zu sperren, illustriert, wie schnell technologische Abhängigkeiten zum Hebel werden. Europa gewinnt mit dem Globalfoundries-Modell erstmals ein belastbares Referenzbeispiel dafür, dass souveräne Halbleiterfertigung industriell realisierbar ist.

Handlungsempfehlung: Unternehmen aus Verteidigung, Raumfahrt und kritischer Infrastruktur sollten ihre Halbleiter-Lieferketten jetzt auf Herkunftsnachweise prüfen und Sourcing-Strategien entwickeln, die das kommende EU-Chipgesetz antizipieren. Eine direkte Kontaktaufnahme mit Globalfoundries Dresden zur Qualifizierung europäischer Fertigungsprozesse empfiehlt sich vor allem für Unternehmen mit sicherheitsrelevanten Zertifizierungsanforderungen. Wer zudem Daten aus der Chipproduktion noch über außereuropäische Infrastruktur verarbeitet, sollte die Kooperation zwischen Globalfoundries und der Deutschen Telekom als Blaupause für eigene Souveränitätsinitiativen prüfen.

Impact: Vollständig europäische Chip-Lieferkette als Industriestandard bis 2027 etablierbar

Relevant für:

  • Verteidigung & Raumfahrt (Beschaffung sicherheitskritischer Halbleiter): ●●●

  • Automobilzulieferer & Elektronikhersteller (Lieferketten-Souveränität): ●●●

  • Öffentliche Auftraggeber & Beschaffungsabteilungen (EU-Chipgesetz-Compliance): ●●●

  • Cloud & Rechenzentren (europäische Datenverarbeitungspflichten): ●●○

  • Kapitalmärkte & Industrieinvestoren (Globalfoundries-Aktie +100 % seit Januar): ●●○

  • Regulierung & Industriepolitik (EU Chips Act II): ●●●

  • Telekommunikation (souveräne Netzinfrastruktur für Produktionsdaten): ●●○

  • Maschinenbau & Automatisierung (99 % automatisierte Fertigung als Referenzmodell): ●●○

Parsing

Dokumentenparser zuverlässig für KI-Agenten bewerten

Problemstellung: Bestehende Benchmarks für Dokumenten-Parsing wurden vor der Ära agentischer KI-Workflows entwickelt und genügen deren Anforderungen nicht. Sie stützen sich auf unrepräsentative Dokumentkorpora, oft nur Bildausschnitte statt vollständiger PDF-Seiten, und verwenden Metriken, die Tabellenstruktur und Semantik unzureichend trennen. Da KI-Agenten – anders als Menschen – Fehler im geparsten Output nicht durch Kontextintuition kompensieren können, sind höhere Präzisionsanforderungen zwingend erforderlich.

Lösung: ParseBench ist ein offener Benchmark für die Evaluation von Dokumenten-Parsern speziell für agentic use cases, aufgebaut auf über 2.000 Seiten aus Finanz-, Versicherungs- und weiteren Unternehmensdokumenten im nativen PDF-Format. Er bewertet Parsing-Qualität entlang fünf Dimensionen: Diagrammgenauigkeit, semantische Formatierung, visuelle Verortung, Tabellenverarbeitung und inhaltliche Treue. Für jede Dimension wurden eigene, strikt deterministische Metriken entwickelt oder bewährte Metriken gezielt angepasst. Der Benchmark ist vollständig reproduzierbar, öffentlich verfügbar und ermöglicht es, Ergebnisse unterschiedlicher Parser – proprietärer wie Open-Source – direkt zu vergleichen.

Anwendungsbeispiele: Finanzdienstleister können die Dimensionen Diagramme und Tabellen höher gewichten, da fehlerhafte Zellwerte direkte Auswirkungen auf Analysen haben. Rechtsabteilungen profitieren besonders von präziser visueller Verortung, die eine schnelle Quellenprüfung und Halluzinationserkennung im Agenten-Output ermöglicht. Versicherungsunternehmen, deren Dokumente überwiegend nativ-digital und tabellenreich sind, können Diagramme de-priorisieren und semantische Formatierung sowie Tabellengenauigkeit stärker gewichten. Wer eigene Parsing-Lösungen evaluieren möchte, kann sie über einen Pull Request im GitHub-Repository einbinden und gegen alle bestehenden Benchmarkdokumente testen. Das öffentliche Leaderboard auf HuggingFace und Kaggle erlaubt zudem den direkten Vergleich mit 14 bereits bewerteten Anbietern.

Erklärungsansatz: Für die Tabellenauswertung kombiniert ParseBench zwei Metriken: GRITS bewertet die strukturelle Nähe des geparsten Gitters zur Grundwahrheit, während Table Record Match die semantische Korrektheit prüft – also ob Werte den richtigen Spalten- und Zeilenheadern zugeordnet sind. Einzelne falsche Ziffern führen dabei zu null Punkten für den betroffenen Datensatz, da agentic workflows auf exakte Werte angewiesen sind. Bei Diagrammen werden bis zu zehn eindeutige Datenpunkte pro Chart annotiert und nur dann als korrekt gewertet, wenn Wert und alle zugehörigen Labels übereinstimmen. Die Ground Truth entstand in einem mehrstufigen Prozess aus menschlicher Prüfung und modellgestützten Entwürfen – rein modellgenerierte Grundwahrheit wurde als zu unzuverlässig für hochgenaue Metriken eingestuft. Bei der inhaltlichen Treue wird Textkorrektheit etwa doppelt so stark gewichtet wie die Lesereihenfolge, da agentic LLMs Reihenfolge-Abweichungen bei ausreichend Kontext besser kompensieren können als fehlende oder falsche Inhalte.

Fazit: ParseBench schließt eine relevante Lücke zwischen klassischen OCR-Benchmarks und den tatsächlichen Anforderungen produktiver KI-Agenten in Unternehmen. Die fünf Dimensionen lassen sich individuell gewichten, sodass der Benchmark auf branchenspezifische Dokumenttypen und Workflows zugeschnitten werden kann. Für Entscheidungsträger, die Parser-Infrastruktur evaluieren oder beschaffen, bietet das Framework eine methodisch belastbare Grundlage jenseits von Anbietereigenangaben.

Space Technology

KI-Rechenzentren im All: Das Rennen um die nächste Internetinfrastruktur

Der globale Hunger nach KI-Rechenleistung stößt auf ein fundamentales physisches Limit. Rechenzentren benötigen enorme Mengen Land, Wasser und Strom – und mit der stetig wachsenden Leistung der KI-Systeme steigt auch die abzuführende Wärme ins kaum Beherrschbare. Bis 2030 soll der weltweite Stromverbrauch für Rechenzentren sich verdoppeln, bis 2050 könnten sie ein Zehntel des gesamten Strombedarfs der Erde ausmachen. Allein für Nordamerika werden in den nächsten drei Jahren 50 bis 100 Gigawatt neue Kapazität benötigt – das entspricht 50 bis 100 neuen Kernkraftwerken.

Die Antwort einiger Startups lautet: Verlagerung ins All. Das US-Unternehmen Starcloud schickte Ende 2025 einen Satelliten mit einem Nvidia-H100-Chip in die Erdumlaufbahn – dem leistungsstärksten je im Weltraum eingesetzten Prozessor. Die langfristige Vision sind Zehntausende vernetzte Satelliten, gespeist von bis zu vier Quadratkilometer großen Solarfeldern, die auf Anfrage aus der Erde Berechnungen in der Umlaufbahn durchführen und Ergebnisse per Laserkommunikation in Millisekunden zurückschicken. Der Weltraum bietet dabei entscheidende Vorteile: keine Landbeschränkungen, nahezu unbegrenzte Solarenergie und ein Vakuum, das herkömmliche Kühlung überflüssig macht.

Doch zwischen Vision und Realität liegen erhebliche Ingenieursprobleme. Faltbare Solarpanele aus dem leichteren und flexibleren Material Perowskit, präzise Kollisionsvermeidungssysteme für immer vollere Umlaufbahnen und Laserkommunikation mit über tausendfach höherer Bandbreite als herkömmliche Funksysteme – all das befindet sich noch in der Entwicklung. SpaceX arbeitet mit Starship an Startkosten von 10 bis 20 Dollar pro Kilogramm, was eine Kostenreduktion um den Faktor 50 bis 100 bedeuten würde. China verfolgt unterdessen mit seiner staatlich finanzierten „Three-Body Computing Constellation" – geplant 2.800 Satelliten – einen pragmatischeren Einstiegsansatz über Kantenverarbeitung von Satellitendaten direkt im Orbit.

Die eigentliche Dimension des Wettlaufs ist geopolitischer Natur. Wer diese Infrastruktur als Erster kontrolliert, legt möglicherweise fest, wer das nächste Internet beherrscht – mit Implikationen für Wirtschaft, Datensouveränität und militärische Überlegenheit gleichermaßen. Starcloud allein hat bei der US-Behörde FCC die Genehmigung für 88.000 Satelliten beantragt, weltweit sind Millionen weiterer Starts geplant. Ein vollständiger Wechsel von Erdrechenzentren ins All dürfte noch Jahrzehnte entfernt sein – aber der Markt, der vor wenigen Jahren noch nicht existierte, nimmt gerade Gestalt an.

Werben im KI-Briefing

Möchten Sie Ihr Produkt, Ihre Marke oder Dienstleistung gezielt vor führenden deutschsprachigen Entscheidungsträgern platzieren?

Das KI-Briefing erreicht eine exklusive Leserschaft aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft – von C-Level-Führungskräften über politische Akteure bis hin zu Vordenkern und Experten. Kontaktieren Sie uns, um maßgeschneiderte Kooperationsmöglichkeiten zu besprechen.

Und nächste Woche…

... nächste Woche richten wir den Blick nach Osten. DeepSeek ist mit 50 Milliarden Dollar bewertet, strukturiert seine Kapitalbeteiligung bewusst auf Distanz zum Staat – und ist dabei nur ein Akteur in einem KI-Ökosystem, das sich fundamental anders entwickelt als das westliche. Wir schauen genauer hin: Wer sind die relevanten Spieler, wie funktioniert die Beziehung zwischen Kapital, Staat und Forschung – und was lässt sich daraus tatsächlich ablesen?

Wir freuen uns, dass Sie das KI-Briefing regelmäßig lesen. Falls Sie Vorschläge haben, wie wir es noch wertvoller für Sie machen können, spezifische Themenwünsche haben, zögern Sie nicht, auf diese E-Mail zu antworten. Bis zum nächsten mal mit vielen neuen spannenden Insights.

Wie hat Ihnen das heutige KI-Briefing gefallen?

Ihr Feedback hilft uns, bessere Inhalte für Sie zu erstellen!

Login or Subscribe to participate

Das strategische Betriebssystem für Entscheidungsträger.

Reply

Avatar

or to participate

Weiterlesen